Unflexible Kunden – wichtige Regel: Bio ist nicht konventionell

Die Regale können nicht immer voll sein und schon gar nicht bis in den Abend

Ich bin neulich so entsetzt gewesen, davon möchte ich euch erzählen. Es war ein echt engstirniger Typ bei Facebook. Er hat auf einen Kommentar von mir geantwortet, in dem ich mich gegenüber Alnatura auf deren Facebookseite positiv geäußert habe, weil sie ein sehr tolles Brotsortiment haben und ich es vorbildlich finde, dass es gegen Abend leer ist und so nichts im Müll landet. Schließlich ist die inzwischen recht bekannte, massive Lebensmittelverschwendung durch Überproduktion an konventionellen billig Lebensmitteln, in vielerlei Hinsicht eine gesellschaftliche und ökologische Katastrophe. Er hat daraufhin bei Alnatura Aussagen getroffen, die sehr deutlich machen, dass er null Verständnis hat, wenn er mehrfach ein Produkt nicht im Laden findet. Für mich ist es inzwischen Alltag, dass es einige Produkte manchmal nicht gibt, zwar bemüht Alnatura sich sehr, ein Ausweichprodukt von einem anderen Hersteller zu besorgen, aber manchmal geht auch das nicht, weil der Markt an Rohstoffen biologischer Herkunft sehr begrenzt ist.

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Ich habe ihm erklärt, dass er doch bitte Nachsicht zeigen sollte, weil die Bio Branche dank großer Subventionen gegenüber dem Lebensmittelanbau für Biogasanlagen, der konventionellen Landwirtschaft und der enormenGrundflächen für den Bau und Betrieb von Massenviehzucht, nur 4% der überhaupt verfügbaren landwirtschaftlichen Nutzfläche für den biologischen Anbau zur Verfügung stehen hat und es so leider immer zu Lieferschwierigkeiten kommen kann. Die Bio Landwirte bemühen sich sehr um mehr Land, aber sie können finanziell einfach nicht mit Mega Konzernen mithalten und bekommen keine Subventionsgelder vom Staat, es ist eine sehr ungerechte Subventionspolitik. Die Bio Betriebe haben auch nicht so viel Geld, wie die konventionellen Konzerne. Biologische Produkte sind zwar sehr viel teurer, aber es ist kein erhöhter Gewinn dahinter, sondern die Kosten für diese Landwirtschaft und Produktion sind sehr viel höher, schließlich werden Arbeiter fairer bezahlt und für Rohstoffe ebenfalls ein deutlich höherer Preis gezahlt.

Der Typ beschwerte sich trotz meiner Argumente weiter, dass er ein nicht verfügbaren Artikel höchstens manchmal bei Frischware tolerieren kann, aber auf gar keinen Fall bei Trockenware. Er bezog sich auf die von ihm gewünschten getrockneten Sojaschnetzel für ein Abendessen. Ich habe ihm weiter erklärt, dass doch immer ein Äquivalent zur Verfügung steht und man bei Bio einfach etwas kreativer und flexibler sein sollte, weil die Bio Branche eben das Gegenteil von Massenproduktion ist und dass es ein Produkt auch manchmal nicht gibt, wenn es in Erzeugerländern Schwierigkeiten bei der Fairness oder der Ernte gibt und dass die Bio Branche keine große Lagerung für Rohstoffe und keine Ernterückhaltung für einen besseren Börsenpreis betreiben. Bei dem konventionellen Lebensmittelmarkt werden diese Dinge tatsächlich praktiziert, auch ein Grund, warum gerade die Erzeuger von so großer Armut betroffen sind und ganze Scharen an Menschen in den ärmsten Ländern verhungern.

Trotzdem hielt er an seinem Starrsinn fest, beschwerte sich weiter, dass wenn die Bio Branche unbedingt eine Konkurenz zur konventionellen sein will, sollten sie begreifen, dass der Kunde immer ein volles Sortiment erwartet und nicht bereit ist Abstriche zu machen. Die Bio Branche muss das ebenfalls leisten können. Er habe auch keine Lust nach der Arbeit noch verschiedene Läden aufzusuchen, um einem Produkt hinterherzulaufen. Es erschien ihm partout keine Möglichkeit zu sein, ein anderes Abendessen zu machen, auch nicht sein Einkaufsverhalten zu verändern, um solch einer Problematik entgegen zu wirken, schließlich könnte er ja selber solche getrockneten Waren lagern, wenn er in seinem Kochverhalten derartig unflexiel ist.

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Leckeres Kamut Brot von der Bohlsener Mühle, bei Alnatura gekauft, weil es eines der wenigen vorhandenen Brote am Abend war, es schmeckte herrlich. So war das fast leere Brotregal ein echter Gewinn.

Wie engstirnig und sturr, dass tat mir richtig weh, da die Bio Branche es schon echt schwer genug hat und sie so wertvolle Arbeit macht. Es gibt nun wirklich genügend Alternativen im Bio Laden, gerade für Sojaschnetzel, da geht Tofu, Seitan, vegane Hackfleisch- und Schnitzelprodukte, vegane Produkte insgesamt gibt es dort im Überfluss, ganz im Gegensatz zu den konventionellen Discountern und Supermärkten, dort kann man froh sein Naturtofu zu finden. Aber der Typ hat leider überhaupt kein Verständnis und auch keine ökologische Grundeinstellung. Er geht eher wieder in konventionelle Läden, weil er da immer alles kriegt. Es interessiert ihn nicht mal, dass diese Supermärkte extrem viel wegwerfen und das das eine riesen Verschwendung ist, die letztlich sogar die Produkte und Rohstoffe immer billiger macht. Ich glaube er hat nicht mal verstanden, warum die billigst Preise in Discountern und Supermärkten eine globale Katastrophe ausgelöst haben und es so erst zu den elendigen Missständen gekommen ist.

Es macht mich immer wieder traurig, wenn Konsumenten solche begrenzten Einstellungen haben und nicht bereit sind, einen Beitrag zu einer wirklich fairen und gesunden Lebensmittelproduktion zu leisten. Ich hoffe ihr seid da anders.

Danke fürs Lesen.

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