Bio aus dem Discounter ist kein Bio

Das staatliche Bio-Siegel

EU-Bio-Logo2EU-Bio-Logo1 seit 2001

Mich wundert es, dass immer noch sehr viele Menschen davon ausgehen, im Discounter oder konventionellem Supermarkt tatsächliche Bio Ware zu erhalten. Diese Art von EG-Bio ist kein richtiges Bio, es ist einzig im Geschäftssinne eine billige Variante, mit so wenig Produktionsänderungen wie möglich, um überhaupt ein Bio Siegel erhalten zu können. Mit Umweltschutz, Verzicht von Dünge- und Pflanzenschutzmittel hat das nichts zu tun, es wird durchaus noch verwendet, nur weniger oder eben andere Mittel. Es ist eine Art Bio mit den geringsten Anforderungen an die Erzeuger, damit möglichst viel Gewinn dabei rum kommt.

Da es für Einsteiger in die Bio Branche nicht einfach ist, sich zwischen den verschiedenen Bio-Siegeln zurecht zu finden, erkläre ich heute was der wichtigste Unterschied zwischen dem staatlichen EG-Bio Siegel und den Bio Anbauverbänden ist. Als ich angefangen habe biologische Produkte zu kaufen, habe ich es wie wohl die meisten anderen auch getan, im Supermarkt und im Discounter Bio Eier gekauft, dann Butter, Milch und verschiedene Produkte, die einem dort angeboten werden. Dies ist der Einstieg.

Nach einer gewissen Zeit fängt man an diese Produkte und vor allem die Preise der Bio Produkte zu hinterfragen und bei mir war irgendwann der Punkt erreicht, wo ich meine Käufermacht anders ausüben musste. Seit dem kaufe ich in richtigen Bio Läden und Bio Supermärkten ein, dort gibt es eine breite Palette an verschiedenen Bio Produkten von verschiedenen Anbauverbänden und manchmal kaufe ich dort auch EG-Bio. Der Unterschied zu EG-Bio im Discounter ist der, dass sich die Läden wie Alnatura oder Produzenten wie Rapunzel, direkt mit den Bauern beschäftigen, faire Preise aushandeln und für ordentliche Anbaubedingungen sorgen. Bei denen kann der Kunde jederzeit nachfragen was zum Beispiel der Alnatura Milchvieh Landwirt für einen Liter Milch bekommt. Oder bei Rapunzel nachfragen, wie es um das kritische Thema Palmöl steht. Ich tat das beides und bekam sofort eine Antwort, die mich zufrieden stellte.

Bei konventionellem Bio, aus regulären Supermärkten und Discountern, versuchen die Läden etwas Greenwashing zu betreiben, dass ist alles. Dazu kommt noch der Punkt, dass diese Läden der echten Bio Branche erheblichen Schaden zufügen, weil Discounter und Co die Preise drücken und die Kunden darauf reingefallen sind und denken beim Discounter oder Real gibt es echtes Bio. Was dann passiert, ist dass die richtigen echten Landwirte und Produzenten, von demeter Ware zum Beispiel, große Schwierigkeiten haben am Markt zu überleben. So haben die Kunden schon viele echte Bio Landwirte in den Ruin getrieben.

Milch-, Fleisch- und Eierpreise sind bei EG-Bio enorm zu billig und das wirkt sich auch bei den Haltungsbedingungen aus. Die Tiere werden misshandelt, in zu großen Ställen und zu großen Herden gehalten.

EG-Bio aus dem Bioladen gibt es auch, da ist aber nicht von der selben Art auszugehen, sondern es gibt einfach nicht jede Bestandteile von nur einem Verbandsbio wie:

Demeter_Logo (1) seit 1928
Bioland-Logo Grundstein 1951 und 1978 „Bioland“ als Warenzeichen eingetragen
gs_logo_gaea seit 1989
gs_naturland seit 1982
ecoland_logo seit 1997
biokreis_logoseit 1979, heute viertgrößter Anbauverband in Deutschland

Für den ökologischen Weinbau gibt es den ECOVIN Verband
ECOVIN_logo_rgb_kl

Hier ein pdf zum Download „Unterschiede EG-Bio-Verordnung, Bioland, Demeter-Richtlinien

Oder die Kleinbauern können sich die Siegel nicht leisten, in dem Fall überprüfen sorgsame Biofirmen wie Rapunzel zum Beispiel die Anbaubefingungen und entscheiden dann die Ware zu kaufen und zu verarbeiten. Bei den Discounter Chefs fliegt keiner auf eine Cocosplantage um die Arbeit zu überprüfen.

Was bei Verbänden wie demeter der Fall ist, ist dass sie in den ärmsten Ländern der Welt gute Anbauprojekte erschaffen und durch die Abnahme dieser Ware den Leuten dort ihre Existenz dauerhaft sichern. Sie bauen Schulen, versorgen sie mit reinem Trinkwasser und geben den Bauern wertvollen Unterricht zur eigenständigen ökologischen Landwirtschaft. Dass diese Kleinbauern vollkommen autonom wirtschaften können und nicht von Saatgutriesen abhängig gemacht werden und nicht zu jedem Saatgut das passende Pflanzenschutzmittel kaufen müssen, ist ein sehr wichtiger Schritt für diese Bauern. Konventionelle Läden tun davon nichts, sie versprechen oft vieles, aber sie setzen es nicht um und weder der Supermarkt noch der Kunde überprüfen es.

Der deutsche Staat, oder auch die europäischen Zuständigen, haben es versäumt für klar geordnete Vorgaben zu sorgen, die auch einen ökologischen Sinn erfüllen. Man bekommt als Insider schnell den Eindruck, dass die EG-Bio Vorgaben einzig und allein den Sinn haben, dass möglichst viele Firmen auf den Grünen Zug mit auf springen können. Mit den traditionsreichen Bio Anbauverbänden, die es schon viele Jahrzehnte gibt, hat dies nichts zu tun.

Welchen Zweck hat das staatliche Bio Siegel?
Ursprünglich sollte eigentlich der Handel der Bauern und Firmen, in europäischen Ländern vereinfacht werden, unter diesem Gesichtspunkt macht das EG-Bio Label sogar Sinn. Wenig gut daran ist jedoch, dass wieder einmal nicht mit den Geschäftigkeiten der großen Firmen gerechnet wurde. Sie haben schnell erkannt, dass die Mindestanforderungen reizvoll sind und diverse Schlupflöcher vorhanden sind, wodurch sie recht einfach Landwirte der konventionellen Art, zu Bio Landwirten umfunktionieren können. So ist es passiert, einen ökologischen Grundgedanken, oder ein ethisches Empfinden gegenüber ihren Tieren, haben diese „umfunktionierten“ Bauern leider nicht. Sie verstehen oft auch nicht, dass die Felder die sie bewirtschaften und die dort verwendeten Pestizide, Pflanzenschutzmittel und der massive Einsatz von groben Bodenmaschinen zur Auflockerung oder zur Ernte, dieses empfindliche Ökosystem zerstört und dass ihre Wahl der Anbaumethode Auswirkungen auf wildlebende Tiere hat. So kommen weniger gut informierte Landwirte, die vollkommen neu in der Bio Welt sind, schnell zu Sätzen wie „Bio ist nicht machbar, nicht rentabel, ohne Pestizide geht das nicht“ und der schlimmste Satz von Allen „Jeder Anbau von Pflanzen ist doch eigentlich Bio“. Nein ist es nicht!

Wenn man also die Wahl hat, richtiges Bio zu kaufen, sollte man sich für demeter und andere Anbauverbände entscheiden. Nur so kann man sicher sein, dass alles dafür getan wird, auch in Zukunft wertvolles Getreide, Gemüse, Obst, Milch, Fleisch und Eier zu erhalten, die uns nicht alleine durch den Verzehr krank machen. Die Böden werden geschont, mit den Jahreszeiten bewirtschaftet, die Tiere umsorgt und nicht in riesige Schlachtfabriken geführt. Bei EG-Bio Fleisch für die Discounter kann man davon ausgehen, dass sich die Haltung fast nicht verbessert hat, dafür die Medikamente weggelassen wurden, weil sie bei Bio ja verboten sind und die Tiere unter dieser Enge, dem Schmutz und den nicht vorhandenen Rückzugsmöglichkeiten krank werden. Aus diesem Gesichtspunkt ist die konventionelle Haltung noch besser, dort bekommen sie wenigstens was gegen ihre Entzündungen. Das wars aber auch schon mit den Vorteilen.

Also, EG-Bio ist ein Mindestbio und gut für den Einstieg und die Umgewöhnung seiner Kaufgewohnheiten. Und es ist wichtig, dass die Kunden sich im Supermarkt umentscheiden und sehr weit weg kommen von dem „Alles muss billig sein“ Gedanken. Wer sich informiert, meine Links zu den einzelnen Bio Verbänden durchliest und das pdf zu den wichtigsten Unterschieden liest, der weiß schon sehr gut Bescheid und kann die richtige Wahl treffen. Die sollte immer sein, dass auch für eure Kinder noch Natur da ist und kein Raubbau vor der eigenen Haustür geschieht.

Rohkost-Platte-01

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Ein Kommentar:

  1. Ich gehe mit deiner Meinung weitesgehend konform, insbesondere EG-Bio als „Einstiegsdroge“ für den Massenmarkt ist nicht zu unterschätzen.

    Aber die Aussage „[…] die Tiere umsorgt und nicht in riesige Schlachtfabriken geführt.“ macht mich stutzig.
    Hausschlachtungen sind offiziell verboten, die Transportwege zwar verkürzt, aber sobald sich die Tiere in den Schlachthäusern befinden unterscheidet niemand zwischen konventionell, EG-Bio oder Bioland pp.

    Inwiefern werden also „die Tiere umsorgt und nicht in riesige Schlachtfabriken geführt.“?

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