Palmöl – ist es immer schlecht?

Ich habe bei der Bio Firma Rapunzel nachgefragt, wie es mit dem Palmöl in deren Produkten aussieht. Leider ist es heute ein schwieriges Thema, denn oftmals ist von Regenwaldabholzung, Landenteignung, mieser Bezahlung und anderen schrecklichen Dingen die Rede. Da man im Supermarkt, auch im Bioladen, sehr häufig Palmöl findet, möchte ich da für Klärung sorgen.

Folgend, der Schriftverkehr mit Rapunzel:
(Fragen mit ○ gekennzeichnet)

„Hallo,

ich stand neulich bei Alnatura vorm Regal und war auf der Suche nach einer Schokocreme für Crepes. Leider haben alle Produkte Poalmöl drin und ich frage mich warum?

Es ist ja nun mal leider so, dass für die weltweite Palmölgewinnung entweder Regenwald abgeholzt wird und somit viele Tierarten verdrängt werden und aussterben oder dass sogar bei bestehenden Plantagen ganz miserabel mit den dortigen Arbeitern umgegangen wird. Rapunzel war ja auch schon mal Teil eines solchen Skandals, jedenfalls habe ich davon gelesen. Es ist die Rede von Landenteignung und anderen Dingen.

○ Warum wird auch im Biobereich besonders viel Palmöl verwendet?
○ Gibt es überhaupt eine vorbildliche Palmögewinnung?
○ Wie kann man als Kunde sicher sein, dass Rapunzel die Arbeiter richtig bezahlt, dass die Plantagen nicht dort sind, wo Regenwald abgeholzt wurde?
○ Wo sind eure Plantagen für Nüsse, Früchte und Öle, denn Kokosöl zum Beispiel betrifft das Problem ja auch?
○ Rapunzel hat nur das EU Siegel, warum überhaupt? Da sind ja noch einige Dinge erlaubt, die andere Hersteller auch ausnutzen.
○ Warum verkauft Ihr nicht ausschließlich „richtiges“ Bio wie Demeter?

Ich habe verschiedene Seiten Ihrer Website gelesen, zum Beispiel die, die unter „BIO-QUALITÄT SEIT 1974“ zu finden sind. Was da so steht klingt schon vernünftig, allerdings steht das bei fast allen Firmenseiten.
Ein Punkt stört mich auf der Seite irgendwie auch: „Umfragen zufolge zählt RAPUNZEL mit zu den bekanntesten Marken im Naturkostbereich und wird bevorzugt gekauft,– aus gutem Grund!“
○ Meinen Sie nicht das es daran liegt, dass es oft keine Auswahl gibt? In den meisten Läden ist nämlich nur Rapunzel vorhanden, grad bei Nussmusen und Aufstrichen. Ich würde gerne das eine oder andere Produkt davon auf meinem Blog vorstellen, aber die Palmölsache hindert mich noch daran.

Ich hoffe sehr, Sie nehmen mir die Fragen nicht übel, aber ich kenne durch meinen Blog einige Menschen, die sich über den häufigen Palmöleinsatz aufregen und da kein Verständnis für haben.

Ich würde gerne in meinem Bio Blog darüber schreiben, wie Rapunzel mit diesen Themen umgeht.

Mit freundlichen Grüßen

Nadine Baier

„Hallo Nadine,
vielen Dank für Deine Nachricht. Wow, Du machst Dir viele Gedanken um das Thema Palmfett und recherchierst doch ein ganze Menge selbst zum Thema. Das ist mehr als viele andere Kunden tun! Die schimpfen meistens nur auf uns…

Also ein herzliches Danke, dass Du Dich direkt an uns wendest und fragst. Ich versuche auch, alle Deine Fragen zu beantworten. Wenn ich was vergessen sollte, dann hake bitte noch mal nach.

Los gehts:
1) Wir bei Rapunzel beziehen ausschließlich kbA (kontrolliert biologisch angebautes) Palmfett. Das ist etwas anderes als Palmöl für Bio-Sprit Erzeugung.

Unser Bio Palmfett stammt aus Kolumbien und Ghana. Wir beziehen kein Palmfett aus Asien.

Der Bio-Palmanbau ist unserer Sicht die einzige Alternative zum konventionellen Palmanbau. Im Bio-Anbau werden alle pflanzlichen Bestandteile aus der Palm-Verarbeitung kompostiert und als Mulch in den Ölpalm-Plantagen ausgebracht. Damit wird der Humus-Gehalt des Bodens aufgebaut und der Boden mit Nährstoffen versorgt.

In den Palmenhainen werden verschiedene Gründüngungspflanzen angesät, die langfristige Nutzung der Ölpalmen liegt im Konventionellen bei 7 Jahren, im Ökologischen Landbau bei ca. 30 Jahren.
Zudem werden im Bio Anbau ständig neue Pflanzen auf der Plantage nachgezogen, die die alten Bäume dann nach und nach ersetzen, d.h. die Bio-Ölpalm-Plantagen werden dauerhaft genutzt.

Die Anbauflächen im Norden Kolumbiens, auf denen heute das von uns verwendete Biopalmöl angebaut wird, wurden bereits seit Generationen landwirtschaftlich genutzt. Es wurde in den letzten Jahrzehnten kein Primärwald gerodet.

Zum Landrechtskonflikt um die Firma Daabon haben wir alle Stellungnahmen und Infos hier http://www.rapunzel.de/stellungnahme-palmoel-kolumbien.html veröffentlicht.

2) Wir setzen Palmfett nur dann ein, wenn es keine Alternative gibt.

In unseren süßen Brotaufstrichen wie Samba setzen wir zum einen auf einen hohen Nussanteil, zum anderen können sie ohne Palmfett nicht in Bio Qualität hergestellt werden. Die Alternative zu Palmfett wären gehärtete Fette. Dies lehnen wir ab und ist zu recht für Bio Produkte nicht erlaubt.

Der Anteil Bio Palmöl an der weltweiten Palmölmenge liegt bei unter 0,1 %. In konventionellen Lebensmitteln wird Palmfett oft als Zutat „pflanzliche Fette“ angegeben. Biohersteller deklarieren offen Palmfett aus kbA.

Wir haben bei den Schoko Cremes bereits Versuche mit Sonnenblumenöl durchgeführt, aber der Geschmack hat uns gar nicht überzeugt.

In einigen Produkten (z.B. Fruchtschnitten) haben wir das Palmfett ersetzen können und sind weiter bestrebt, den Palmfetteinsatz zu gering wie möglich zu halten bzw. zu reduzieren.

FAQ zu Palmfett auf http://www.rapunzel.de/fragen-zu-palmoel.html zusammengestellt.

3) Wo es sich nicht ersetzen lässt, suchen wir nach neuen nachhaltigen Quellen für Bio Palmöl. Das ist uns mit unserem Lieferanten und HAND IN HAND-Partner Serendipalm gelungen, nämlich fair gehandeltes Bio Palmöl aus Ghana.

Und man / frau könnte noch anfügen „sogar mit Frauenpower“, denn eine Frau, Lucy Aboagye, führt die Ölmühle dort. http://www.rapunzel.de/palmoel-bio-serendipalm.html

4) warum EU-Siegel anstelle Verbandszeichen?
Du hast schon recht, Ware mit einem Verbands-Siegel (Bioland oder Naturland) unterscheidet sich von EU-Ware hinsichtlich der Richtlinien. Verbands-Ware geht in manchen Punkten (z.B. Einforderung von Fruchtfolgen, Umstellung des Gesamt-Betriebes) weiter als die EU-Bio-Richtlinien. Rapunzel achtet beim Einkauf der Rohwaren auch auf die Zertifizierung und zieht wenn möglich Verbandsware der EU-Zertifizierung vor. Beispielsweise verwenden wir Bioland Milch für die Schokoladen oder Biokreis-Getreide für die Müslis.

Da Rapunzel viele Mischprodukte führt, ist es schwierig, manchmal unmöglich, alle Zutaten von einem einzigen Verband zu beziehen. Das ist z.B. bei unserer Schokolade so: unser Kakao stammt aus Bolivien, aber Bioland gibt es nicht in Südamerika. Deshalb kann die Schokolade kein Bioland Zeichen tragen.

Daher verzichten wir auf ein zusätzliches Verbandszeichen auf den Etiketten und verwenden das bekannte EU-Bio–Siegel. In einem Fall hat Rapunzel eine Ausnahme gemacht, denn auf einigen Rapunzel Produkten ist auch das Demeter-Siegel: z.B. auf Haselnüssen, Sultaninen und Aprikosen aus unserem Türkei Projekt.

Ich hoffe, wir haben dir mit unserer Auskunft weiter geholfen. Wenn Du offene Fragen hast, melde Dich einfach.

Viele Grüße nach Hamburg

Anke Malas
Dipl. oec. troph.
Kundenservice

RAPUNZEL – 35 Jahre Bio aus Liebe“

Ich bedanke mich für diese Antwort, das Gefühlt dem Palmöl gegenüber hat sich etwas geändert. Ich sehe ein, dass man viele Produkte nicht ohne herstellen kann. Es ist gut, dass es wenigstens diese 0,1 % an nachhaltiger Palmölproduktion gibt, wenigstens bei Bio gibt es noch gute Arbeitsbedingungen. Leider trifft das für die anderen 99,9 % nicht zu.

In der Antwort steht, dass in den letzten Jahrzehnten nichts abgeholzt wurde, was aber vorher war, weiß ich nun nicht. Auf der Website steht: „Für Bio-Anbau darf kein Primärwald / kein Regenwald gerodet oder abgebrannt werden. Dies ist ein absolutes Ausschlusskriterium. Die Flächen, auf denen z.B. bei der Firma Daabon Bio-Ölpalmen gepflanzt wurden, wurden auch vorher schon landwirtschaftlich genutzt.“ Das werde ich wohl glauben, denn wahrscheinlich ist es gut, dass die Menschen in dem Anbaugebiet überhaupt eine Einnahmequelle haben.

Ich glaube irgendwie schon, dass Rapunzel die Palmölgewinnung viel besser macht, als konventionelle Firmen. Insgesamt wird mich das Thema noch weiter beschäftigen.

Was denkt ihr darüber?

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4 Kommentare:

  1. Hej aus Schweden.

    Wie wäre es denn wenn ALLE die Palmöl verdammen (und das sind ja augenscheinlich nicht wenige) damit aufhören, die entsprechenden Waren zu konsumieren ? Nachfrage = 0 bedeutet Palmöl = 0.
    Denkt mal darüber nach: die Industrie liefert nur das, was vom Konsumenten gefordert wird…

  2. Huhu,

    ich finde deine Entscheidung gut, kein Palmöl zu verwenden und auch ich lebe noch immer so. Leider ist durch meine schwere MCS parfümfrei und bio vor Palmöl zu werten und so habe ich eine Dusch/Waschlotion wo wohl auch Palmöl enthalten ist, ich finde nichts bezahlbares in bio und parfümfrei, absolut geruchlos, was keinen Schaden anrichtet, also verwende ich es eben. Ich bemühe mich sehr so wenig Schaden wie möglich anzurichten, überleben möchte ich aber auch. Zwickmühle

    Palmöl ist so extrem vielseitig, nicht nur in der Nahrung, es ist bei all den globalen Katastrophen auch ein Geldbringer für Arbeiter in dem Gewerbe, viele Familien überleben nur durch den Palmölverkauf, so etwas dürfen wir in der Ethikdebatte nicht ausklammern, es ist nur wichtig konventionelles Palmöl zu beenden und faire Preise für zertifizierten Bioanbau zu zahlen. Es sollten wie bei Anbauverbänden oft üblich Mischbepflanzungen geben, nur so bleibt es im Gleichgewicht, die Erträge sind besser und Schädlinge halten sich durch Fressfeinde im Zaum.

    Es ist auch eine Überlegung wert wie die Folgen sind, wenn die Bio Firmen den Kundenwünschen nachkommen und Palmöl restlos streichen? Der Kunde ist oft nur wenig bis einseitig informiert, er sagt einfach dass esse ich nicht mehr und statt zu verzichten kauft er ein Ausweichprodukt, was exakt die selbe Problematik verursachen kann, aber es ist ja grad Palmöl im Fokus.

    An sich ist Palmöl nichts schlechtes, es ist nur in den normalen Großplantagen mit Affenausrottung, Pestiziden, Regenwaldrodung, regelrechten Giftanschlägen um Land zu rauben/enteignen, völlig falsch produziert. Unsere Industrie wird nach Palmöl etwas anderes finden, also muss die weg und nicht das Palmfett. Es ist ein schwieriges Thema.

    LG
    Nidi

  3. Hallo,

    wieso soll es keine Alternative zu Palmöl/-fett geben, wenn eine Firma wie Rosengarten fantastisch leckere Süßwaren ganz ohne Palmöl/-fett herstellt? Rosengarten verwendet Sonnenblumenöl!
    Die ganz wenigen Produkte, die also angeblich nicht ohne Palmöl/-fett auskommen, sind doch also wohl verzichtbar.
    Ich werde jedenfalls konsequent überhaupt keine Produkte mehr kaufen mit Palmöl/-fett, da es eben doch Alternativen gibt!!!

  4. Mich irritieren zwei Passagen:

    „Wir setzen Palmfett nur dann ein, wenn es keine Alternative gibt.“
    „In einigen Produkten (z.B. Fruchtschnitten) haben wir das Palmfett ersetzen können und sind weiter bestrebt, den Palmfetteinsatz zu gering wie möglich zu halten bzw. zu reduzieren.“

    Die Ausgangsfrage ist, ob Palmfett grundsätzlich schlecht ist. Es ist zwar schön, wenn es Generationsplantagen sind etc. aber offenbar scheint Rapunzel trotzdem ein Problem mit Palmfett zu haben. Wenn es ein aus ökologischer Hinsicht gutes Produkt ist, welches unter fairen Bedingungen entstanden ist, warum sollte man es dann zugunsten anderer Stoffe vermeiden?
    Der Preis – und das macht mich stutzig – ist es sicher nicht. Ein 1kg Rapunzel Palmfett aus scheinbar Ghana oder Kolumbien (vom anderen Ende der Erde) kostet weniger als eine Flasche Olivenoel aus der Toskana.

    Die Erwähnung von Mischwaren empfinde ich hier als irreführend. Palmfett ist ein Reinprodukt und Naturland sowie Bioland scheinen in Ghana und Kolumbien vertreten zu sein. In den genannten Fällen wird auch nicht auf eine Siegel „verzichtet“, sondern es ist schlicht weg nicht möglich.

    naturkost.de schreibt: Kritik an Daabon kommt weiterhin von Rettet den Regenwald. Kern der Vorwürfe ist, dass Daabon sich stark im konventionellen Palmölanbau engagiere, die größte konventionelle Biodieselraffinerie Kolumbiens betreibe und in mehrere Skandale verwickelt sei.

    http://www.biohandel-online.de/public/HTML/2010/20100324a.shtml
    http://www.regenwald.org/erfolge/3517/palmoelkonflikt-in-kolumbien-bauern-kehren-friedlich-auf-ihr-land-zurueck

    Ich stecke in einem moralischen Dilemma. Ich möchte keine Firma unterstützen, die derart rücksichtslos und brutal agiert – Ergo status quo: (Bio-)Palmfett = NoGo. Nun stelle ich mir jedoch aus Mangel an Alternativen (nicht auf mich, sondern die Palmfettherstellung bezogen – ich weiche auf Kokos aus) die Frage, ob es nicht doch konstruktiv sein könnte den Bio-Zweig im ‚Verdrängungskampf‘ mit der konventionellen Erzeugung zu unterstützen. Also auf kapitalistische Weise zu symbolisieren, dass ich etwas gutheiße.
    Das ist jedoch eine rein verkopfte Frage.

    Was ist deine Auffassung davon bzw. hast du inzwischen Neues herausgefunden?

    Liebe Grüße

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