Backshops lassen Bäckereien aussterben und haben Null Ahnung von Allergien

Bäckersterben geht weiter, Tiefkühlbranche wächst weiter und beliefert zig Tausende Backshops, Tankstellen und Kioske.

Durch einen aktuellen Newsletter von Utopia, fiel mir ein weiterer negativer Aspekt zu den ganzen Billigbroten und Backshops ein. Es ist ja nicht nur Tatsache, dass wir nur Chemie in den Billigstbackwaren haben, es sind auch eine ganze Menge Allergene und Unverträglichkeitenauslöser in den Brötchen und Broten.

Über die Auswirkungen unserer Lebensmittelherkunft aus billig Großfabriken, dem Grundverständnis gegenüber echter Handwerkskunst und dem Wunsch nach mehr Regionalität, dem leider nur ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung auch wirklich nachgeht, gibt es viele Artikel im Netz zu finden. Neben dem Aussterben der Bäckerei Traditionsbetrieben gibt es aber wie gesagt noch ein weiteres und ausgesprochen gravierendes Problem, denn wo früher Bäcker und ausgebildetes Bäckereifachpersonal anwesend waren die über alle Zutaten bescheid wussten, steht heute jemand hinter den „Auf“backwaren der überhaupt keine Ahnung von Lebensmitteln hat.

Beeren in Muffins, welcher Verkäufer denkt hier an Allergene? Weiß er welche Beeren enthalten sind?
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Nun kommen Kunden in den Backshop und stellen Fragen zu bestimmten Zutaten, wenn man Glück hat wird einem ein Ringbuch hingeklatscht in dem man selber zu blättern hat, was wo enthalten ist. Unhöflich und auch unhygienisch, weil viele Leute diesen Ordner durchwühlen, aber immerhin. In den Zutatenlisten stehen übrigens nur die laut Industrie verbleibenden Stoffe, die vielen verwendeten Hilfsstoffe, die angeblich durch den Backvorgang im Nichts verpuffen, stehen nie drauf. Wenn etwas vorm Backen im Brot ist, wo ist es nach dem Backen hin? Wie sicher ist das alles oder geht es wiedermal nur um die sogenannten Höchstgrenzwerte die nicht überschritten werden? Wird etwas beim Backen nur zerstört, hinterlässt es Abfallstoffe im Brot? Wie viele Kunden wissen darüber Bescheid? Ich weiß es nicht.

Früher gab es Brötchen aus Mehl, Wasser und hauseigenem Sauerteig. Heute ist die Zutatenliste lang wie beim Fertiggericht.
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Wer eine Allergie oder eine Nahrungsmittelunverträglichkeit hat, der hat heute das Problem eines ziemlich dümmlichen Gesichts beim Aufbackbrotverteiler, denn leider hat dieser keine Ahnung ob vielleicht Soja im Brot ist. Um zu verkaufen sagt er mal lieber NEIN. Glutenfrei kennt so ein Verkäufer auch selten und bestimmt weiß er nicht, dass schon minimalste Spuren gesundheitsschädlich für echte Spruepatienten sind.

Bei belegten Brötchen ist die Allergenpalette noch größer und ausgerechnet diese Backwaren findet man am häufigsten in Kiosken und Tankstellen. Wenn Tomate nicht vertragen wird, kommt so ein Genie schon mal auf die Idee sie vom fertig belegten Brötchen runter zu nehmen. Kunden mit einer Eiweißallergie werden mit den Worten „da ist kein Ei drauf“ abgefertigt und mehr Gedanken macht sich der Verkäufer nicht. Er hat überhaupt keine Ahnung was eine Eiweißallergie ist, er hat auch neben Zigaretten verkaufen, Kühlschränke auffüllen und Zeitungen umherschieben keine Zeit um Lebensmittelkunde zu studieren. Was aber viel wichtiger ist, es ist nicht mal sein Beruf, er braucht ja gar keinen Beruf zu erlernen um an die Lebensmittel gelassen zu werden.

Knackfrische und traditionell erzeugte Croissants gibt es heute kaum noch, schon gar nicht in Backshop, Kiosk oder Tankstelle.
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Die in Brötchenverteilungsstationen angestellten Niedriglöhner sind entweder mit dem falschen Beruf ausgebildet oder was eher der Fall ist, sie sind überhaupt nicht ausgebildet. Aber selbst wenn, was nützt uns ein KFZ Mechaniker an der Brötchenausgabe? Scheinbar denken sich alle, wer fähig ist sich zuhause ein Brot zu schmieren, der kann das auch beruflich tun.
Irgendwie interessiert es auch unseren Staat nicht was an der Brötchenausgabe los ist, die Politiker gehen morgens und mittags selber in die Backshops und Kioske. Es fällt unserer Politik wohl erst auf, wenn in der eigenen Familie ein Allergiker erkrankt.

In den ganzen Kiosken und Tankstellen braucht man nicht mal ein Gesundheitszeugnis, sehr oft werden in Kiosken unter der Hand Leute beschäftigt, Freunde des Schwagers etc. Es herrschen auch keine Mindeststandards an Hygiene, es herrscht eigentlich überhaupt keine Hygiene. Die Verkäufer rauchen eine, kratzen sich am Arsch und dann schmieren sie die Brötchen. Super.

Da belegt man sich lieber sein eigenes Brot
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Ich bin froh das es noch Leute gibt, die den Backshops nicht das Geld in den Schlund werfen, jedenfalls lassen mich die Kunden in meinem lieblings Bioladen und einige Kommentarschreiber bei Utopia das feststellen. Jeder, der nicht bei dem Verfall unserer Lebensmittelvielfalt mitmacht, ist ein Gewinn und ich wäre froh, wenn sich die Gruppe regional, fair und biologisch einkaufender Menschen immer weiter vergrößert.

In all den tollen Bioläden in Deutschland gibt es hervorragende und regional erzeugte Backwaren, so wie dieses Kamutbrot in witziger dreieckiger Form

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Ich begebe mich die nächsten Monate mal auf die Suche nach Bäckereibetrieben in Hamburg, mal sehen was es dort für Spezialitäten gibt. 🙂

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